Die Geschichte des Papageno Musiktheaters

Gründung 1997

"Der Zoo hat ein Theater, warum sollte der Palmengarten nicht auch eins haben", dachte Maienschein, als er des Reisens müde war. Fast fünfzehn Jahre lang war er mit seinem Kindertheater durch Europa gezogen. Mittlerweile selbst Vater eines Kleinkindes, sehnte er sich nach einem festen Mittelpunkt seines Lebens und Wirkens. 1997 gründete er mit seiner Frau Renate das Musiktheater. Zuerst liebäugelte er mit einem Zelt am Mainufer. Aber dort drohte immer wieder das Hochwasser.

So wandte er sich an Dr. Matthias Jenny, und der Direktor des Palmengartens überließ ihm tatsächlich den Siesmayer-Saal in seinem Eingangsschauhaus. Hier trat Maienschein zum ersten Mal 1998 als Mozarts Vogelfänger in der von ihm selbst inszenierten "Kleinen Zauberflöte" auf. Nach dem lustigen Gesellen im bunten Gefieder nannte er sein Musiktheater im Palmengarten.

1998 - Die erste eigene Spielstätte

Doch im Siesmayer-Saal war es nicht nur eng. Da der Raum auch für hauseigene botanische Vorträge genutzt wird, musste die Papageno-Truppe ihr Bühnenbild immer wieder auf- und abbauen. Das war auf Dauer zu mühsam. Dennoch konnte Maienschein hier noch Humperdincks "Hänsel und Gretel" mit Live-Musik aufführen. Als der Kinderspielplatz südlich des Palmengartenweihers abgerissen wurde, durfte der Prinzipal dort hinter dem Palmenhaus ein Zirkuszelt aufschlagen. Im März 1999 eröffnete er seine neue Spielstätte mit einer Bearbeitung der Märchenoper "Rusalka". Auch "Oliver Twist", "Die kleine Hexe", "Der kleine Muck" und "Cinderella" fanden hier Obdach. Bis das luftige Domizil im Sommer 2002 unter einem heftigen Regen zusammenbrach. Das Ensemble stand vor dem Ruin.

2002 - Neubau und Wiedereröffnung

Sportreporter Dieter Kürten wusste Rat. Er bat Dietmar Hopp, Mitbegründer der SAP, um Hilfe. Dank einer großzügigen Spende konnte Maienschein schon im Januar 2003 am selben Ort ein neues Theaterhaus eröffnen. Wie eine schlummernde Raupe duckt sich die stählerne Bogenkonstruktion mit seiner grünen lichtundurchlässigen Membran unter das Laubdach des Palmengartens, gebaut von der Berliner Architektin Felicitas Mossmann mit 199 Plätzen und steil ansteigender Tribüne.

Maienscheins Antrieb - die Faszination von Musik und Bühne

Für Maienschein gibt es "nichts Schöneres als leuchtende Kinderaugen". In Frankfurt-Riederwald geboren, zog er schon als Achtjähriger mit dem Bollerwagen von Kindergarten zu Kindergarten, um die noch Kleineren mit selbsterfundenen Theaterstückchen zu unterhalten. Mit neun verfiel er der Oper, als er Humperdincks "Abendsegen" im Radio hörte. Was war schon das Theater in der Ernst-Reuter-Schule gegen die Oper "Hänsel und Gretel", mit der er in den Städtischen Bühnen Bekanntschaft machte!Dann lernte er Mozart kennen und verliebte sich schließlich in die italienische Oper, vor allem in die Musik von Puccini. Nach seiner Ausbildung als Schauspieler in Frankfurt und verschiedenen Engagements tauschte er eine beginnende Karriere als Nachrichtensprecher im ZDF wieder gegen das Theater ein. Die Faszination von Musik und Bühne ließ ihn nicht los und selbst als nichtklassischer Sänger besteht er auch rezitativisch seinen Rigoletto, Gianni Schicchi oder Bajazzo. Über 120 Rollen hat er mittlerweile gespielt und über 100 Inszenierungen auf die Bühne gebracht. In nahezu allen seinen Inszenierungen steht er nach wie vor auf der Bühne.

Ohne Musik geht bei Maienschein gar nichts. Er will seine kleinen und großen Gäste fesseln, indem er die Stimmungen eines Schauspiels, einer Oper, eines dramatisierten Märchens oder eines anderen Prosatextes mit Musik unterlegt. Über die Verbindung von klassischer Musik mit Sprechtheater werden Kinder einfach und leicht an das Schauspiel und auch an die Oper herangeführt. Für "Die Schneekönigin", sein erstes Stück auf Tournee, hatte er Griegs Musik noch von Band spielen lassen. Mittlerweile engagiert er für die Kindervorstellungen am Nachmittag zwei Musiker, die etwa Shakespeares "Sommernachtstraum" nach Purcells Komposition am Klavier und mit Violine begleiten, und für die Erwachsenen am Samstagabend noch einen Cellisten und Klarinettisten dazu.

Mit "Sugar", einer Musicalversion des Billy-Wilder-Films "Manche mögen's heiß", hatte Maienschein seine dritte Spielstätte im Palmengarten eröffnet – ein großer Erfolg. Seitdem gibt es das Papageno Musiktheater auch für die Erwachsenen im regelmäßigen Abendprogramm. Darunter das eigens kreierte "Opernschauspiel": Er will keine große Oper bieten, sondern den Opernstoff auf das Wesentliche fokussieren und die schönsten Musikstücke mit einem professionellen Kammermusik-Ensemble darbieten. Und sein Konzept gibt ihm Recht: Bis zu 55.000 Zuschauer besuchen jährlich sein Theater.

Mittlerweile arbeitet er nicht nur mit ehemaligen und aktuellen Opernstars wie Luana DeVol und Gail Gilmore, sondern auch mit Nachwuchssängern eng zusammen. Ihnen bietet Maienschein ein Forum in Opern-Schauspielen, Operetten, Musicals und in der sehr erfolgreichen Konzertreihe. Und unter seiner Führung nehmen junge wie gestandene Sänger auch die Herausforderung ambitionierter Projekte an: Im Juni 2009 feierte beispielsweise eine halbszenische Fassung des Liverpool Oratorio dank der persönlichen Erlaubnis McCartneys Uraufführung in Frankfurt. Für die kleinen Zuschauer zieht das Papageno-Ensemble hingegen seit 2008 jedes Jahr zur Weihnachtszeit für einige Vorstellungen in die Alte Oper Frankfurt.



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