Frankfurter Neue Presse vom 09.07.2014

Die Rolle seines Lebens

Von Enrico Sauda

Die "Baywatch"-Ikone Pamela Anderson kennt es, auch Paul McCartney , Ex-Bassist und Sänger der "Beatles", weiß von seiner Existenz. Mehr noch, diese beiden Promis unterstützen es. Sie gehören, wie etwa Dietmar Hopp , Chef der Software-Firma SAP, Simonetta Puccini, Enkelin des Komponisten Giacomo Puccini, ZDF-Sportmoderator Dieter Kürten oder Kult-Sopranistin Anny Schlemm zum Förderverein des Papageno-Theaters.

Das Theater liegt zwischen dem Gebäude der Kreditanstalt für Wiederaufbau und dem Palmengarten. An dem Ort, wo vor einigen Jahren ein Kinderspielplatz stand. Und das Theater, das ist für dessen Chef Hans-Dieter Maienschein und seine Frau Renate nicht nur Familiensache, sondern auch Herzensangelegenheit. "Heute etwa", sagt der 55-Jährige, steigt von der Bühne und setzt sich in die erste Sitzreihe, "da habe ich gerade eine Vorstellung gegeben, in einer halben Stunde gebe ich die nächste".

Das allein wäre wohl für so manchen Schauspieler eine besondere Leistung, aber Maienschein kämpft dazu noch gegen die letzten Reste einer hartnäckigen Lungenentzündung. "Ich weiß auch nicht, woher ich die Kraft nehme, aber es muss schon etwas kommen, das mich richtig umhaut, bevor ich pausiere", sagt der Vater zweier Kinder (32 und 22 Jahre alt). "Ich bin hier alles. Momentan gebe ich eine Figur bei ,Aladin und die Wunderlampe'", sagt Maienschein, der, noch in voller orientalischer Montur und geschminkt, ein Mineralwasser schlürft und an die Anfänge des Theaters denkt.

Die liegen bald 17 Spielzeiten zurück. Damals war der Frankfurter Bub Maienschein, der auch eine Karriere als Nachrichtensprecher beim ZDF begonnen hatte, des vielen Reisens mit seinem Tournee-Ensemble müde und wollte sich in der Mainmetropole niederlassen. So wandte er sich an Matthias Jenny , Chef des Palmengartens, der ihm den Siesmayersaal im Eingangsbereich des Palmengartens zur Verfügung stellte. Und aus dieser Zeit stammt auch der Name, den das Theater bis heute trägt. Denn Maienschein gab den Vogelfänger Papageno aus Mozarts "Zauberflöte".

Allerdings musste sich das Ensemble bald wieder einen neuen Platz zu suchen, denn der Raum erwies sich als zu klein – da kam es gerade richtig, dass der Spielplatz zwischen der Kreditanstalt für Wiederaufbau und dem Palmengarten abgerissen wurde. Ein idealer Ort für ein kleines, aber feines Theater mit gut 200 Plätzen. Aber auch dieses Vorhaben barg etliche Komplikationen, bis schließlich ZDF-Sportmoderator Dieter Kürten bei SAP-Chef Dietmar Hopp ein gutes Wort einlegte. "Kürtens Tochter Dina spielte damals hier, und deshalb unterstützte er uns", erinnert sich Maienschein.

Seitdem der Bau fertig ist, geht es mit dem Theater nur noch bergauf. "Unsere Stücke sind bis zu 95 Prozent ausgelastet." Nicht nur die Stücke für die kleinen Besucher kommen gut an, "auch das Abendtheater hat sich etabliert". Maienschein reitet auf der Welle des Erfolgs – mehr als 700 000 Zuschausind bislang gekommen. "Das alles ist auch der Hilfe des Fördervereins und den Zuschüssen der Stadt zu verdanken", stellt Maienschein klar, der fünf Festangestellte beschäftigt. Insgesamt sind am Papageno-Theater 45 Leute tätig.

Zu den Freunden und Förderern gehört eben auch McCartney, zu dem Maienschein eine Brieffreundschaft pflegt. Und das kam so: "Ich fand das Liverpool-Oratorium, das er geschrieben hat, so toll, dass ich es hier szenisch umsetzte." Die Erlaubnis holte er schriftlich ein, das Okay bekam er von McCartney persönlich. "Ich habe ihn auch zur Aufführung eingeladen, aber er hat im letzten Moment abgesagt – doch er wurde Ehrenmitglied des Fördervereins."



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